Manche Fragen wirken offen und sind es nicht. Sie klingen nach Interesse, nach Klärung, nach Realismus. Und beenden doch das Gespräch, bevor es begonnen hat.
Die Situation: Bewerbungsgespräch, Teilzeitstelle in 50 %. Im Lebenslauf: Berufserfahrung, Verantwortung, Kompetenz. Und: zwei kleine Kinder. Es wurde bereits über Aufgaben gesprochen, über Erwartungen, über Rahmen. Dann kommt die Frage:
„Wie wollen Sie das denn schaffen?“
Was an dieser Frage irritiert
Die Stelle ist in Teilzeit ausgeschrieben. Nicht informell, nicht „perspektivisch“, sondern klar und deutlich und offiziell. Die Frage zielt also nicht auf den Umfang der Arbeit, und auch nicht auf ihre Organisation. Sie zielt auf die Person. Auf das Leben, das zur Stelle kommt.
Oft bleibt es nicht bei der Frage. Sie wird schnell ergänzt, relativiert – oder gleich beantwortet, wie auch hier: „Das geht doch eigentlich gar nicht.“
Die Frage wirkt dann bestenfalls noch wie eine Geste, der Zweifel ist längst formuliert. Nicht offen, nicht prüfend, sondern abschließend.
Was diese Frage wirklich verhandelt
Nicht: Kann diese Rolle in Teilzeit funktionieren? (das wurde bereits entschieden), sondern: Wer darf sie ausfüllen? Die Frage sortiert nicht nach Kompetenz, sondern nach Lebensentwurf. Wenn eine 50% Teilzeitstelle ausgeschrieben ist und dennoch gefragt wird, wie jemand mit Care-Verantwortung sie „schaffen“ will, dann liegt das Problem nicht in der Stelle. Sondern im Bild davon, wer die Rollen füllen darf.
Die Kosten dieser Frage
Die Kosten sind sofort da: Rechtfertigungsdruck, das Gefühl, etwas erklären zu müssen, das eigentlich vorgesehen ist oder: eine schnelle Entscheidung: Hier ist kein Raum, hier bin ich falsch.
Frage-Falle #2: „Wie willst du das denn schaffen?“
Diese Frage-Falle entsteht, wenn Fragen gestellt werden, deren Antwort innerlich bereits feststeht – und die genutzt werden, um Passung zu verneinen, ohne sie begründen zu müssen.
Was hier eigentlich fehlt
Auf den ersten Blick erscheint klar: Hier fehlt Zutrauen. Zutrauen darin, dass Bewerber:innen die Ausschreibung gelesen haben, die Anforderungen verstehen und ihr eigenes Leben realistisch einschätzen können. Die Frage unterstellt, dass diese Einschätzung von außen korrigiert werden muss. Es fehlt auch Wille. Der Wille, ergebnisoffen in eine Situation hineinzugehen und wirklich auf das zu schauen, was zählt. Und: eigene Glaubenssätze auszublenden. Wenn der Wille fehlt, hilft die solideste Struktur nicht.
Eine Reflexionsfrage
In welchen Situationen stelle ich Fragen, die weniger klären als aussortieren? Diese Frage ist unbequem. Aber sie entscheidet darüber, wer überhaupt in den Raum kommt.
Ausblick
Im nächsten Beitrag geht es um eine Formulierung, die ermutigend klingt – und dabei Verantwortung klar verschiebt: „Das ist doch eine gute Gelegenheit.“
