Oder: wie Verantwortung leise verschoben wird
Die Situation: „Der Termin wurde jetzt doch auf 16:30 Uhr verschoben.“ Kurze Pause. „Das lässt sich doch sicher irgendwie einrichten, oder?“
Was hier zunächst stimmig wirkt
Die Frage klingt lösungsorientiert, unterstützend, fast schon zugewandt. Auf den ersten Blick passiert hier etwas Gutes: Es wird nicht einfach entschieden, es wird gefragt, es wird versucht eine Lösung zu finden.
Und trotzdem verschiebt sich etwas. Nicht in der Sache – sondern in der Zuständigkeit. Denn was in dieser Frage nicht mehr verhandelt wird, ist der Rahmen: Muss der Termin genau so stattfinden? Welche Alternativen gäbe es? Was bedeutet das für andere Verantwortungsbereiche?
Was tatsächlich passiert
Stattdessen liegt die Aufgabe plötzlich bei der Person selbst. „Wie bekommst du das unter?“ Die Organisation setzt den Impuls, die Umsetzung wird individualisiert.
Das kann funktionieren, aber es hat eine Voraussetzung: dass die strukturellen Bedingungen bereits passen. Wenn sie das nicht tun, passiert etwas anderes. Dann wird daraus eine Anpassungsleistung: „Schau, dass Du das möglich machst.“
Was das für die Beteiligten bedeutet
Für die Person auf der anderen Seite ist das schwer zurückzuweisen. Denn was sagt man auf eine solche Frage? Ein „Nein“ wirkt schnell wie mangelnde Bereitschaft. Ein „Ja“ bedeutet oft, dass an anderer Stelle – unsichtbar – etwas wegfällt. Es wird organisiert, verschoben, möglich gemacht. Im Privaten, im Verborgenen.
Im System bleibt alles, wie es ist.
Reflexion
Die Frage eröffnet ein Gespräch – und verengt gleichzeitig, worüber gesprochen wird. Denn welche Antwort erwartet wird, ist schon klar. Es wird nicht mehr über Rahmenbedingungen gesprochen, es werden individuelle Lösungen erwartet. Und genau darin liegt ihre Wirkung.
Ausblick
Im nächsten und letzten Teil der Fallen-Serie geht es um das Muster dahinter:
Was passiert, wenn Kommunikation Bewegung erzeugt – aber keine Veränderung?
